Atelier Beatrice Wetzel
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Objekt Kunst

Einblicke in das Atelier

Das Jahr 2007 habe ich wegen fehlender kreativen Kraft für eine teilweise künstlerische Malpause genutzt.

Das Vakuum und die Leere in meinem Kopf weichen langsam der Inspiration, so haben sich viele Ideen neu formiert, vage wahr genommenene Strukturen haben sich gefestigt und müssen nun gezähmt werden in ihrer Beschaffenheit und Form.


Seien Sie neugierig und besuchen Sie mich im Atelier. Sie haben die Gelegenheit mir bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und an der Entstehung eines Kunstwerks teilzuhaben, von den ersten Pinselstrichen bis zum fertigen Werk.
Sie sind gerne willkommen, allerdings nur nach tel. Absprache.

Nach der Auswahl des Objekts werden die ersten Pinselstriche auf die Leinwand gebannt. Spontan und impulsiv entsteht so innerhalb kurzer Zeit das Grundgerüst des neuen Bildes. Das genaue Herausarbeiten der Details, das Festlegen der Perspektiven und Formen, der Interaktion der Farben, der Licht- und Schattenräume nimmt mich allerdings anschließend für Stunden in Anspruch.

rgendwann bin ich im Internet auf ein paar ganz normale Eindrücke eines nicht ungewöhnlichen und alltäglichen Malers gestossen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Die Zeilen lösen im Leser den versponnenen Eindruck zwischen der Realität und dem "Künstler" und regen zum Schmunzeln an.

Der Prozess des Malens . . . .
wahre Einblicke in das Arbeitsleben eines Künstler's

Der Prozess des Malens beginnt mit einer Krise.
Der Künstler - oder Künstlerin, kurzum der Maler - steht vor dem unerbittlichen Schrecken der weißen Leinwand. Die weiße Leinwand ist das Gegenteil des Vakuums, und sie ist auf alle Fälle nicht jungfräulich.

Sie ist die Schöpfung schlechthin, sie ist der materialisierte menschliche Geist, der die Schwelle zum Göttlichen überschreitet. Das weiße Viereck ist die klarste Abstraktion, zu der denkende Wesen fähig sind. Vier rechte Winkel. Die Geometrie.

Der Geist abstrahiert die sich im erlittenen Selbst spiegelnde Welt: Raum, Zeit, Materie, Denken. Vier Richtungen - vier abrupte Richtungswechsel. Der exakte Neunziggradwinkel bezeichnet den Sprung in den Koordinaten von der Höhe zur Breite. Alles was nur minimal vom rechten Winkel abweicht, wäre ein Vor oder Zurück, normaler Alltag, beliebig. Der rechte Winkel ist der abstrahierte Bruch. Die Geometrie bricht mit der realen Welt, sie schafft den geistigen Raum.

In der Natur gibt es keine rechten Winkel - aber ohne den rechten Winkel kann der Geist die Natur nicht vermessen. Dieses Paradoxon ist ein Teil des Schreckens, in dem sich das erkennende Selbst erfährt. Maler sind sehr schreckhaft. Der andere Teil des Schreckens ist die Farbe Weiß. Das Weiß ist das gebündelte Licht, also Energie. Der abstrakte Raum ist gefüllt mit reiner Energie. Der Maler steht somit vor einem Kraftfeld reinen Denkens. Kein Wunder, dass er es mit der Angst zu tun bekommt.

Nun steht der Maler vor der weißen Leinwand.
Als erstes macht er einen Fehler: Er macht einen Plan.
Der Plan ist die Vorstellung von einem Bild, auf das die Welt gewartet hat. Dieser Plan ist im Kopf brillant. Da er so strahlend ist, ist er leider auch nur sehr verschwommen sichtbar. Trotz allem ist der Maler jetzt motiviert und beginnt Flächen, Formen, Farben und Zeichen mit großem Gestus auf die Leinwand zu skizzieren.

Wenn er das erste Mal von der Arbeit zurücktritt und den Stand der Dinge betrachtet, erlischt schlagartig die große Vision im Kopf des Malers. Sie verwandelt sich in eine schwarze Höhle mit quadratischem Eingang. Der Maler hat eine Missgeburt in Form einer Skizze vor sich und ein schwarzes Loch im Kopf.

In diesem Moment fällt ein wirklich talentierter Maler die erste richtige Entscheidung des Tages: Er hört auf zu denken und malt einfach weiter. Das ist kein Vorgang, bei dem er die geringste Kontrolle über sein Tun hat. Er versucht lediglich Schlimmeres zu verhüten. Intuitiv strukturiert er alle missglückten Stellen um. In der experimentellen Physik heißt der adäquate Ausdruck dafür: "einen Pudding an die Wand nageln." Diese Beschäftigung kann sich über Tage oder Wochen hinziehen.

Da der Maler nicht mehr denkt, merkt er nicht wie die Zeit vergeht. Allmählich gewinnt er, allein dadurch, dass er überhaupt etwas tut, seine Selbstsicherheit wieder. In einem dieser glücklichen Momente findet er den Mut, sein Werk aus einem gewissen Abstand zu betrachten. Fragmentarisch taucht eine Lösung seiner Probleme auf. Da werden Spuren verloschener Visionen sichtbar. In den seltensten Fällen sind es die Spuren der Ausgangsidee. Meist sind es Bruchstücke längst verdrängter Konzeptionen. Der Maler dankt dem Zufall. Der Zufall hat ihn zu einem brauchbaren Zwischenergebnis geführt. Ab jetzt muss der Maler darauf achten, dass er sich zurückhält. Jeder falsche Strich könnte das gewonnene Ergebnis zerstören.

Der Maler sitzt vor seinem Bild und versucht die sich abzeichnenden Möglichkeiten durchzuspielen. Er hat etwas gewonnen, was er sich selbst nicht mehr zutraute: Eine Bildidee, einen Rhythmus, einen Farbklang. Zwischen diesen akzeptablen Teilen des Bildes gibt es Löcher malerischen Unfugs. Die müssen gefüllt werden. Die Angst etwas falsch zu machen lähmt.
Der Maler sitzt vor dem Bild und rührt sich nicht. Er sitzt da und starrt. Die sogenannte Künstlerstarre. Eine Art kurzzeitiger Winterschlaf. Wird der Maler in diesem Moment beobachtet, so denkt der Fremde: "Künstler möchte man sein, beeindruckend diese kreative Lust des Intellekts." Dabei hat der Maler nur ein Vakuum im Kopf. Wenn er sich dann erhebt, folgt er einem abrupten Einfall, der leider in dem Moment, wo er das Bild erreicht, sich wieder verflüchtigt hat. Der Künstler setzt sich wieder. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals.

Irgendwann bekommt der Künstler einen Aktivitätsschub (siehe oben), er malt einfach weiter. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Es wird alles immer schlimmer, die inselartig auftretenden geglückten Stellen verschwinden in einem Matsch malerischen Morastes. Der Maler hat das Bild ruiniert und muss von vorn anfangen. Alles bisher Gesagte wiederholt sich oder das Glück - die einzig verlässliche Größe - begünstigt ihn und das Bild stabilisiert sich. Jetzt ist größte Vorsicht geboten. Eine falsche Bewegung, ein falscher Farbauftrag und alles ist hin. Zum Schluss verfällt der Maler wieder in die Künstlerstarre. Nach längerem ratlosen Warten keimt der Entschluss zur letzten klärenden Linie. Bezeichnend ist der Spruch, mit dem der Künstler den Abschluss der Arbeit kommentiert: "Das kann man so lassen." Er spricht nicht von Vollendung.

Man muss hier anmerken, das Bild hat jetzt nicht mehr das Geringste mit der Ausgangsidee zu tun. Dem Künstler ist das Entstandene fremd: Etwas Unerwartetes steht vor ihm. Der Künstler findet sich in der Rolle des entfremdeten Schöpfers. Sein Werk ist ihm ein Rätsel.
Deswegen stottern die meisten Maler auch nur sinnlos rum, wenn sie gebeten werden, ihre Bilder zu erklären. Da der Künstler nicht mehr weiß, was er angefangen hat, kann er es auch nicht zu Ende bringen.
Die Signatur, mit der das Bild als vollendet erklärt wird, ist eine wissentliche Täuschung des Publikums. Wenn der Autor seine Unterschrift mit der Jahreszahl in die rechte untere Ecke setzt, so ist das ein Zeichen der Kapitulation. Die Arbeit am Fragment wird abgebrochen. Malen ist die Kunst der Interruption.


Einen herzlichen Dank meinerseits an den unbekannten Verfasser!!